» Herzlich Willkommen!
Ihr wollt unbedingt Spannung, Action oder einfach nur einen Ausklang zu der modernen Welt? Dann seit ihr bei uns genau richtig. Die Welt ist nicht mehr die, die wir kannten. Untote wandeln alleine oder in großen Horden umher. Jedoch sind sie nicht die größte Bedrohung. Nach den Jahren wissen die Überlebenden, wie sie mit diesen umgehen müssen. Die größere Bedrohung sind wohl andere Überlebende, denn Gesetze oder Strafen gibt es nicht mehr. Deswegen haben sich einige zu Kolonien zusammengeschlossen, in denen jeder seine Aufgabe und einen sicheren Schlafplatz hat. Du kannst dich zwischen der Cottage by the Sea entscheiden, eine frühere Ferienanlaga direkt am Meer oder den Anarchy Riders, der Außenposten der Cottage, die in einem Clubhaus leben. Wie wäre es hoch oben in den Bergen in einem mittelalterlichen Dorf zu leben und sich selbst zu versorgen? Im Valley Balar ist es möglich. Als Nomade kannst du hin, wohin du willst und brauchst dich nur um dich kümmern. Vielleicht willst du dich auch dem Bösen anschließen, dann bist du bei der Company sehr gut aufgehoben. Egal wie du dich entscheidest, es wird dein Leben verändern.
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» Wetterbericht
Die ersten Schneeflocken und Krokusse sprießen aus dem aufgeweichten Boden und färben die sonst triste Welt bunt. Der Schnee ist komplett verschwunden und spürt die erste Frühlingsluft. Einige Tage sind noch immer kalt, doch es kommt auch mal vor, das uns die Sonne aufwärmt. Der Februar verhält sich jedes Jahr anders, dieses Jahr bringt er uns den Frühling früher.
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#1

See

in Außenbereich 27.03.2019 23:17
von Survive or walk with the Dead | 538 Beiträge
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#2

RE: See

in Außenbereich 27.03.2019 23:18
von Skadi | 35 Beiträge

Skadi langweilte sich mal wieder. Erst recht da Matanus sich immer noch im Winterschlaf befand und so konnte sie nicht mit ihrer besten Freundin durch die Gegend streifen. Auch hatte sie kaum noch Lesestoff und die Bücher die sie noch nicht gelesen hatte, hob sie sich lieber für stürmische Tage auf. Denn an solchen Tagen machte es kein Spaß draußen zu sein und sie verkroch zu sich lieber zu Matanus in den Schuppen und las dort angelehnt an den Bauch des Bären. Denn obwohl kaum jemand bei einem Sturm rausging, tat es ihr Vater es trotzdem. Er musste sich immer noch um alles kümmern und konnte sich nicht von dem Wetter beeinflussen lassen. Nur wenn es zu gefährlich wurde, wegen einem Schneesturm oder ähnlichen, blieb er bei ihr und brachte ihr allesmögliche bei. Das ging vom Lesen und Schreiben über die Götterwelten, die sie beide anbeteten, bis hin zum Umgang mit dem Schwert.
Vor wenigen Monaten war einmal so ein Tag gewesen. Leif konnte nicht nach draußen und brachte ihr einfach in der großen Versammlungshalle ihres Hauses zwischen den Tischen und Bänken den Schwertkampf bei. Lange bleiben sie nicht auf den Boden, sondern kletterten auf die Möbel und irgendwann glich ihr Kampf eher einem kindlichen Spielen als dem Training für das Überleben.
Doch an dem heutigen Tag war das Wetter gut, weswegen alle beschäftigt waren alles zu erledigen, was man draußen erledigen musste, und keiner hatte Zeit für Skadi. Da sie durch das erste Jahr in Balar jeden Winkel kannte, konnte sie auch ihre Neugierde neue Sachen zu erkunden nicht ausleben und alle Tier die im Dorf waren, konnte sie als ihre Freunde zählen. Da gab es keine mehr, die sie beobachten oder sich mit ihnen anfreunden konnte.
Aus diesem Grund beschloss sie, sich heimlich aus dem Dorf zu schleichen. Sie würde in nah genug bleiben, um zur Not einen kleinen Sprint hinlegen zu können, um wieder in Sicherheit zu sein. Am Besten blieb sie in der Nähe vom See, wo die Fischer sie eventuell sahen. Skadi war zwar manchmal unvernünftig, wie der Gang nach Draußen bewies, doch lange noch nicht dumm. Ihr Vater hatte ihr seitdem sie denken konnte beigebracht, dass sie immer vorsichtig sein soll. Weswegen sie auch den Gang hinter die Mauer sorgfältig plante.
Allein schon nach draußen zu kommen, musste geplant sein. Doch da sie jeden Winkel des Dorfes kannte, war dies eine Leichtigkeit. Skadi wusste durch welche Scheune sie gehen musste, um unentdeckt an Leuten vorbeikam, die sie sicherlich aufhalten würden. Denn sie würde ihren Bogen, einen Langdolch und eine kleine Tragetasche mit Trinken mitnehmen. Wenn sie so vollgepackt durch das Dorf lief, dann würde sofort jeder wissen, dass sie vorhatte sich nach draußen zu schleichen. Zumindest war die schon einige Male der Fall gewesen.
Zur Sicherheit hinterließ sie noch einen Brief mit ihrem kindlichen Gekrakel, auf dem sie Leif erklärte, dass sie raus ging. Den legte sie auf ihr Bett. Denn falls sie es nicht vor ihrem Vater zurück schaffte, dann steckte sie in Schwierigkeiten und ihr Dad sollte dann schon wissen wo sie ist. Es würde zwar danach mächtig Ärger und wahrscheinlich Hausarrest geben, doch lieber lebte sie eingesperrt in der Haupthütte als tot zu sein. Wenn alles gut verlief, dann könnte sie den Brief einfach verbrennen und ihr Vater würde nichts von dem Ausflug erfahren.
Nachdem sie den Brief fertig geschrieben und abgelegt hatte, machte sie sich dann auch auf den Weg. Durch mehrere Scheunen schlich sie und sogar einmal durch ein Haus, wo sie wusste, dass es zu der Tageszeit leer war und einen Hinterausgang besaß. Ansonsten leif sie nur über kleine Straßen, die durch die Lücken zwischen den Hütten entstanden waren. Schlussendlich war sie dann beim See angekommen. Dort kroch sie zwischen den umgedrehten Kanu-ähnlichen Botten zu der Mauer. Denn eine kleine Lücke am Boden ermöglichte es ihr sich dort hindurch zu quetschen. Dazu musste sie nur noch einen Fels wegrollen und schon war sie durch.
Dadurch dass es langsam Frühling wurde, erblühten schon die ersten Büsche und trugen Blätter, wodurch sie von einem Geäst zum nächsten huschte, sodass die Wachen auf der Mauer und an dem Tor sie nicht entdeckten. Irgendwann war sie dann weit genug entfernt, sodass die Büsche sie auch ohne sich zu ducken verdecken würden.
So lief sie gemütlich in der Nähe des Wassers entlang. Den Bogen hatte sie gespannt. Würde sie sich nicht mindestens mit einer Waffe verteidigen können, würde sie auch nicht ohne Matanus an ihrer Seite sich nach draußen trauen. Doch mit dem Bogen konnte sie inzwischen recht passabel umgehen. Zwar saß nicht jeder Schuss, aber um sich einen oder Zwei Untote vom Leib zu halten reichte es aus. Bei Menschen war dies eine andere Sache. Allerdings war sie flink und kannte sich in der Gegend besser aus als ein Fremder. Dadurch hatte sie für sich persönlich die Sicherheit, dass sie der Person entkam und sogar für sich Hilfe holen konnte.
Auf ihrem Weg achtete sie auf die Blumen, Kräuter und andere Pflanze. Durch @Azra und @Raven hatte sie das wissen über ein paar Pflanzen erlernt und konnte so nützliche ernten und den beiden mitbringen. Oder sie pflückte wieder Blumen und bastelte den beiden Männern Blumenkränze. Zumindest bei Raven war sie sich sicher, dass dieser ihr zuliebe ihn tragen würde. Bei Azra konnte sie so etwas nie genau sagen. Doch zur Not würde sie den Blumenschmuck einfach @Akando aufsetzen oder @Lyseo Winnick oder ihren Vater schenken. Irgendjemand nahm ihn schon an.
Gerade als sie ein paar Brennnesseln vorsichtig in ihre Tasche zu ein paar Knollen und Wurzeln packte, bemerkte sie eine schwankende Bewegung am Rand des Waldes. Eigentlich sollten sich zu der Jahreszeit keine Untoten herumtreiben. Die vorherigen Wochen war es noch zu kalt gewesen, weswegen diese Viecher es nicht zu ihnen hoch schafften und falls doch, waren sie irgendwo festgefroren. Normalerweise hätten sie noch mindestens eine Woche Zeit, bis wieder vereinzelte Beißer es nach Balar schafften.
Da sie glaubte sie könnte es mit ihrem Bogen mit dem Untoten aufnehmen, ging sie hinter einem Busch in Deckung und legte den ersten Pfeil ein. Dann schoss sie. Und verfehlte die Gestalt. Was ihr Glück war, denn der vermeintliche Streuner war keiner, sondern eine sehr geschwächte Gestalt aus ihrer Vergangenheit. Da Skadi dies jedoch auf diese Entfernung immer noch nicht erkennen konnte, zog sie den nächsten Pfeil aus dem Gurt an ihrer Hüfte. Dabei schielte sie immer mal wieder zu der vermeintlichen Gefahr, nicht dass der Beißer schneller als gedacht bei ihr war und sie sich im Nahkampf verteidigen musste. Denn dann wäre sie dem Wesen unterlegen und würde wahrscheinlich sterben. Da war Wegrennen immer noch die Bessere Lösung.

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#3

RE: See

in Außenbereich 01.04.2019 13:48
von Anouk Kruger | 45 Beiträge

Anouk hatte doch ein paar Tage mit June in deren Hütte verbracht, doch die beiden Frauen hatten schnell gemerkt, dass sie sich in manchen doch sehr ähnlich waren und eigentlich nicht viel füreinander übrig. Anouk konnte wieder etwas zu Kräften kommen, was natürlich sehr gut war. Noch lange hatte sie nicht ihre eigentliche Stärke wiederbekommen, doch man merkte immer mehr, dass die Tage wieder wärmer wurden. Der Frühling stand vor der Tür und so hatte sich die kleine blonde Frau von June verabschiedet und sich wieder auf den Weg gemacht.
Der Auslöser dafür war ein Traum. Sie hatte von Leif geträumt. Ab und an dachte sie noch an den großen Mann und seine hübsche Tochter, auf die sie in dieser regnerischen Nacht gestoßen war. Das Wetter war ein Graus gewesen und das kleine Mädchen hatte einen Schnupfen gehabt, der sie sicher getötet hätte. Doch zum Glück hatte Anouk nicht auf ihren Instinkt gehört, der ihr eigentlich gesagt hatte, sich von den beiden fernzuhalten – immerhin wusste sie nicht, ob Leif sie töten würde oder nicht. Sie hatte der Kleinen so gut es ging geholfen und es auch wirklich geschafft, dass sie überlebte. Das war wohl der schönste Moment seit diese Seuche ausgebrochen war. Außerdem hatte sie sich sehr gut mit Leif verstanden. Sie hatten zusammen gekocht, sich um Skadi gekümmert, sie hatte ihm etwas über die Kräuter erzählt und er ihr von den nordischen Göttern, die denen ihrer Mutter teilweise doch glichen. Sie fand das unglaublich spannend. Er hatte ihr auch erzählt, dass sein Bruder und er auf dem Weg zu einem Dorf sind, das sie gern wiederaufbauen wollen, damit man dort Zuflucht finden kann. Das klang wirklich sehr gut, doch im Endeffekt lehnte Anouk ab, ihn und Skadi zu begleiten. Sie war noch nicht wieder bereit sich anderen anzuschließen und wieder Teil einer Gruppe zu werden. Doch sie versprach Leif, dass sie es nicht vergessen würde und er erklärte ihr, wo sie das Dorf finden konnte.
Nun war sie vor ein paar Tagen in Junes Hütte erwacht – wissend, dass sie eh bald weiterziehen würde – und hatte diesen Traum von Leif gehabt. Sie wollte sich gar nicht so viele Gedanken machen, wie sie den Inhalt dessen deuten sollte. Immerhin hatte sie ihn einige Jahre nicht gesehen. Doch sollten er und seine süße Tochter noch leben, dann sind sie sicherlich in dem Dorf. Der Plan war so gut durchdacht, dass sie es sicherlich geschafft hatten, dieses wiederaufzubauen und Menschen eine Heimat zu geben. Also verabschiedete sie sich von June und machte sich auf den Weg.
Dass dieser einige Tagesmärsche betrug, war ihr klar. Doch sie hatte ihren Körper etwas überschätzt. Zwar fand sie Nahrung und konnte auch das ein oder andere Tier erlegen, um auch etwas Fleisch zu sich zu nehmen, doch das viele Laufen strengte sie an. Dennoch hielt sie die Pausen so gering wie möglich und schlief auch nur so viel, wie es unbedingt sein musste. Sie konnte diesen Traum nicht ignorieren. Wieso sollte sie denn gerade von Leif träumen und das nach all dieser Zeit? Für sie war es ein Zeichen, dass es nun an der Zeit war, sich wieder einer Gruppe anzuschließen und nicht mehr allein durch die Welt zu streifen. Es wäre auch allgemein sicherer und in ihrem aktuellen Zustand würde es ihr auch sehr guttun, wenn sie sich irgendwo niederlassen könnte. Und vielleicht gab es einen Platz für sie an diesem Ort, sodass sie auch nützlich sein konnte.
Nach einigen Tagen Fußmarsch kam sie an einen See an, von dem sie sicher war, dass es der See ist, von dem Leif ihr erzählt hatte. Sie sah ihn schon zwischen den Bäumen und so beschleunigte sie ihren Schritt sogar noch etwas. Wenn das der See war, dann war sie nicht mehr weit entfernt. Der letzte Teil des Weges war der Schlimmste gewesen und sie war am Ende ihrer Kräfte. Eigentlich konnte sie sich kaum noch auf den Beinen halten, doch das Ziel vor Augen ließ sie trotzdem weiterlaufen. Auf einmal flog ein Pfeil an ihr vorbei und sie ging ganz automatisch in Deckung. Ihr Blick suchte den See ab und dann sah sie eine Gestalt – anscheinend ein Kind – mit einem Bogen. Also rief sie, um zu zeigen, dass sie kein Wanderer war, sondern ein Mensch. „Hallo! Ich tue dir nichts. Ich suche nach jemanden.“ Vorsichtig tritt sie hinter den Baum hervor, hinter dem sie sich versteckt hatte und ging langsam auf das Mädchen zu. Dass diese Skadi war, erkannte sie nicht. Immerhin war die Kleine vier gewesen, als sie sich zuletzt gesehen hatten. „Ich suche ein Dorf, das hier sein muss. Mir wurde davon erzählt…“, sagte sie vorsichtig. Sie hatte ihre Waffen nicht gezogen, um den Mädchen zu signalisieren, dass sie ihr nichts tun wird.

@Skadi


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#4

RE: See

in Außenbereich 01.04.2019 22:16
von Skadi | 35 Beiträge

Als Skadi den vermeintlichen Beißer entdeckt hatte, pochte ihr kleines Herz wahnsinnig schnell. Sie hatte noch genug Abstand zu der Kreatur. Gerade einmal dessen Gestalt konnte sie sehen. Doch das Wanken, welches die Frau durchlitt, da sie anscheinend am Ende ihrer Kräfte war, interpretierte Skadi als die typische Laufweise der Untoten. Wie sehr man sich doch irren konnte.
Obwohl Skadi Jette ein mutiges Mädchen war, hatte sie in dem Moment auch Angst. Doch ihr Vater ihr einmal erklärt, dass man nur mutig sein konnte, wenn man sich einer Angst entgegenstellte. Aus diesem Grund schoss sie den ersten Pfeil ab und hoffte den Beißer erledigen zu können und somit auch für die Sicherheit von Balar beizutragen. Allerdings verfehlte sie den untoten Toten.
Innerlich schalt sie sich schon langsam für die Dummheit alleine nach draußen gegangen zu sein. Ohne ihren Vater, ihren Onkel oder einen anderen Bewohner. Wie Azra oder Raven. Oder Matanus. Ihre Freundin hatte sich anders als Skadi irgendwann der Angst vor den Beißern komplett gestellt und zerriss die Biester nun, wenn sie ihnen zu Nahe kamen. Skadi jedoch würde, wie Matanus zu Beginn es immer getan hatte, am liebsten immer noch ganz schnell wegrennen. Doch sie war manchmal zu mutig, aus diesem Grund blieb sie stehen und versuchte den nächsten Pfeil aus ihrem Gürtel zu ziehen. Zum Glück der blonden Frau, die auf sie zukam, war das achtjährige Mädchen etwas nervös sich alleine dem Monster zu stellen und so schaffte sie es nicht so schnell den Pfeil zu ziehen, wie sonst immer. So schallten die Worte von Anouk zu Skadi herüber, gerade als sie den Pfeil in die Sehne spannte und erneut schießen wollte.
Das dunkelblonde Mädchen hatte nicht einmal mitbekommen wie die Blondine schnell Deckung gesucht hatte. Nur die Bewegung hatte sie im Augenwinkel mitbekommen, bevor sie auf ihren Gürtel gesehen hatte. So war sie erst durch die Stimme verwirrt und dann dass der Beißer nicht näher gekommen sondern verschwunden war, sodass sie kein Ziel anvisieren konnte. Doch schnell zählte sie eins und eins zusammen. Der Untote war gar nicht tot!
Wenige Sekunden nachdem die Frau gesprochen hatte, trat sie aus ihrer Deckung einem Baum hervor. Da Leif ihr immer eingebläut hatte niemanden sofort zu vertrauen, behielt sie weiterhin ihren Bogen oben und die Sehne mit dem Pfeil gespannt. Vorsichtig und ebenso langsam wie die fremde Person allerdings sehr neugierig schritt Skadi ihr etwas entgegen. Dabei huschte ihr Blick immer wieder nach links und rechts, sodass sie sehen konnte, ob ihr Gegenüber nicht alleine war oder ob doch noch ein echter Beißer ihnen ‚Hallo‘ sagen wollte.
Inzwischen waren sie nur noch knappe zehn Meter voneinander entfernt und Skadis Schuss würde auf jeden Fall sein Ziel treffen. Letztens war sie mit Azra auf der Jagd gewesen und hatte ihre erste Beute erlegt, also war sie sich sicher, dass sie die blonde Frau vor sich auch im Notfall treffen würde. Zuvor war die Entfernung nur einfach zu weit gewesen. Die folgenden Wort ließen Skadi jedoch abrupt stehen bleiben.
„Sofort stehen bleiben! Woher weißt du von dem Dorf? Wir erzählen niemanden von hier!“, befahl und fragte sie. Aus ihrer Sicht plauderte keines der Dorfmitglieder und wenn, dann würden sie Leif Bescheid geben. Zudem müssten sie für so eine Tat einen guten Grund Skadis Vater liefern, denn diese Information könnte ihr aller Leben kosten. Und wenn ihre Vater davon erfuhr, dann bekam sie spätestens am Abend auch davon mit.
Da Leif viel zu tun hatte, redeten sie Abends viel miteinander, sodass sie wenigstens einmal pro Tag etwas voneinander hatten. Auch weihte er sie in die Dorfgeschehnisse ein. Und wenn nicht ihr Vater ihr davon erzählte, dann taten es andere. Zwar nicht direkt. Doch da sie oft durch das mittelalterliche Dorf huschte hörte sie viel mehr als man vermutete. Wenn jemand Informationen über jemanden aus dem Dorf haben wollte, dann musste man sich an Skadi wenden. Sie wusste immer wenn sich wer stritt, wer sich näher kam oder andere Klatsch und Tratsch.
Entweder sie las an den verschiedensten Orten des Dorfes, ging mit jemanden in die Natur, half irgendjemanden bei kleineren Arbeiten oder sie steifte durch Balar in der Hoffnung die Langeweile vertreiben zu können. Bei letzteren beiden Tätigkeiten bekam sie viel mit und auch lauschte sie gerne einmal, wenn sie etwas interessantes zu Ohren bekam.
„Du hast noch eine Chance, Lügner mag ich nicht und mein Papa ebenfalls nicht!“, meinte sie: „Wie hast du von dem Dorf gehört?“
Beide Nygårds waren meist sogar zu offen, allerdings logen sie nie. Zumindest konnte Skadi das von sich stolz behaupten. Denn wer log, den konnte man nicht vertrauen. Und sie wollte nicht, dass man ihr nicht vertrauen konnte.
„Glaub nicht ich schieße nicht, nur weil ich ein Kind bin!“, warnte Skadi die Blondine noch: „Für meine Familie würde ich es tun!“
Zwar hatte Skadi noch nie einen Menschen verletzten müssen, doch ihre Worte fühlten sich wahr an. Falls die Frau eine Gefahr für ihr Zuhause war, würde sie diese Tat auf sich nehmen um ihre Liebsten zu schützen. Allerdings zitterte ihre Hand auch minimal, da es sie gleichzeitig erschreckte ein Menschenleben eventuell in wenigen Minuten nehmen zu müssen. Zumindest wenn die Frau böse war.
Nachdem sie ihre Warnung ausgesprochen hatte, musterte sie die blonde Frau zum ersten Mal genauer. Sie hatte schulterlange blonde Haare, blaue Augen und war klein. Allerdings immer noch deutlich größer als Skadi. Sie war sehr dünn, schien etwas abgemagert zu sein. So als hätte sie wochenlang nichts zu essen bekommen. Obwohl sie nicht sehr fit aussah, erinnerte die Blondine Skadi an die Beschreibung von einem Engel. Ein wenig hatte ihre Vater über das Christentum erzählt. Das die dünne Gestalt jedoch Anouk war, Skadis persönlicher Engel, das ahnte sie nicht oder zog zumindest trotz ihrer Gedanken nicht diese Verbindung.

@Anouk Kruger


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#5

RE: See

in Außenbereich 03.04.2019 15:09
von Anouk Kruger | 45 Beiträge

Anouk schien wirklich Glück im Unglück zu haben, dass sie auf dieses Mädchen gestoßen ist. Sie konnte zwar schießen – immerhin hatte sie Anouk nur knapp verfehlt und das auf dieser hohen Distanz, die zwischen ihnen herrschte – aber sie war noch nicht so geübt. Das Spannen eines neuen Pfeils dauerte länger, als Anouk es vermutet hatte. Doch auch sie selbst war am Anfang nicht sehr schnell oder gar geschickt darin gewesen. Man musste dies üben, um es zu lernen und das Mädchen war vielleicht zwischen sieben und acht Jahre alt. Anouk kam überhaupt nicht der Gedanke, dass dies eventuell Skadi sein konnte, auch wenn ihr bewusst war, dass diese jetzt ungefähr so alt sein musste. Doch dieser riesige Zufall war einfach zu unwahrscheinlich und außerdem konnte Anouk da gerade nicht drüber nachdenken. Immerhin wurde auf sie geschossen und sie konnte nur hoffen, dass das Mädchen sie für einen Beißer gehalten hatte und sie keine Menschen einfach abschießt. In diesem Moment fiel Anouk ein, dass das Mädchen sicherlich nicht allein unterwegs ist. Schon gar nicht in dem Alter. Aber wieso sollte dieses dann auf sie schießen, wenn eigentlich noch mehr dort waren? Und sie nahm auch niemanden mehr wahr, als sie sich dem Mädchen anfing zu nähern.
Das Verhalten des Mädchens verriet ihr, dass es alleine sein musste. Der Pfeil war weiterhin auf Anouk gerichtet, doch es sah sich um. Vermutlich um herauszufinden, ob noch andere hier waren. Die Kleine wäre nicht so extrem vorsichtig, wenn sie noch jemanden dabeihätte. Angst machte sich in Anouk breit, denn was war, wenn Leif und seine Tochter niemals hier angekommen waren? Was wenn schon andere das Dorf aufgebaut hatten und Leif getötet wurde? Doch was sollte sie in dieser Situation tun? Das Mädchen würde schießen, sobald Anouk sich zu schnell bewegte – was verständlich war. Jetzt konnte sie auch keine Waffe mehr ziehen, ohne selbst Schaden zu nehmen. Also lag ihr Leben wohl in den Händen eines kleinen Mädchens. Diese Tatsache ließ sie wirklich für einen Moment schmunzeln – wenn auch nur für den Bruchteil einer Sekunde. Im nächsten Moment kam nämlich ein Befehl von diesem Mädchen und Anouk blieb stehen. Ihre Hände hält sie auf Brusthöhe, sodass die Kleine sehen konnte, dass sie keine Waffen in den Händen trug. Sie legte sich in ihrem Kopf noch zurecht, wie sie am besten auf die Frage antworten sollte, als das Mädchen auch schon weitersprach.
„Ich lüge nicht.“ Für einen kurzen Augenblick kam ihr der Gedanke, dass dieses Mädchen Skadi sein könnte und sie schaute sich diese genauer an. Leider waren ihre Erinnerungen etwas verschwommen, immerhin war die Begegnung vier Jahre her und woher sollte sie wissen, wie Skadi jetzt aussieht? Sollte es Skadi sein, dann schießt sie vielleicht, wenn sie sie direkt anspricht. Also schiebt sie den Gedanken beiseite, denn das wird sich sicherlich eh gleich aufklären, wenn Anouk sich erklärt hat. „Das glaube ich dir, denn immerhin hast du schon auf mich geschossen.“, meint sie ruhig und lächelt leicht. Sie will auf keinen Fall provozieren und ihr Leben unnötig in Gefahr bringen. „Und ich bin keine Lügnerin. Leif. Leif hat mir davon erzählt. Ich traf ihn und seine Tochter Skadi vor einigen Jahren, als er und sein Bruder – dessen Name mir leider entfallen ist, ich traf ihn auch nie – auf der Suche nach einem Dorf waren, dass sie wiederaufbauen wollten. Ich habe mich ihnen damals nicht angeschlossen, doch er beschrieb mir wo ich das Dorf finden kann, sollte ich mich umentscheiden. Und jetzt suche ich diesen Ort und eben auch Leif.“

@Skadi


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#6

RE: See

in Außenbereich 08.04.2019 22:32
von Skadi | 35 Beiträge

Als Skadi auf die Blondine zuschritt, sah sie sich vorsichtig um. Zwar kamen die meisten Neulinge alleine zum Dorf, doch man wusste nie, was als nächstes passieren konnte. Einmal wurde sogar das Dorf überfallen und ihr Vater wurde dabei schwer verletzt. Zum Glück hatte @Raven Leif wieder zusammengeflickt und ihn gar das Leben gerettet. Ansonsten wäre Skadi nun Vollwaise gewesen.
Jeder konnte inzwischen böse Absichten hegen, auch wenn er nicht so aussah. Sowie die Frau, die dem Mädchen entgegen kam. Sie könnte eine Auskundschafterin sein oder eine Ablenkung während ihre Mitstreiter sich von den anderen Seiten näherten. Doch nach mehrfachen hin und her sehen bemerkte Skadi keine weiteren Personen in der Nähe oder Bewegungen in ihrem Augenwinkel. Es schien als wäre die Frau alleine. Aber auch ohne Verstärkung konnte sie gefährlich sein, weswegen sie den Bogen oben behielt. Sicher war sicher!
Skadis Muskel waren angespannt und nur eine falsche Bewegung von der Fremden und sie würde auf sie schießen. Wenn sie ihr anvisiertes Ziel traf, dann würde die blonde Frau nur an der Schulter verletzt werden. Es wäre eine Warnung ja keine Dummheiten anzustellen. Denn ein Pfeil in der Schulter war nahe des Herzen oder des Kopfes. Ein Schuss ins Bein könnte dagegen rüber kommen, als hätte sie woanders hingezielt und nicht getroffen. Oder sie darf nicht weglaufen. Zwar auch ein Vorteil für Skadi, doch die falsche Botschaft. All dies hatte ihr Vater ihr beigebracht und das kleine Mädchen hatte es sich sehr verinnerlicht, sodass dieses Wissen ihr gerade im Kopf herumspukte.
Dann jedoch änderte sich die Situation. Skadi war sowieso schon angespannt, doch die Worte der Fremden ließen sie zweifeln. Woher wusste sie von dem Dorf? Niemand redete darüber! In ihrem Kopf schrillten die Alarmglocken los und sie äußerte auch gleich ihre Bedenken. Als Antwort hob die Frau ihre Hände, um ihr zu signalisieren, dass sie nichts machen würde. Etwas erleichtert was Skadi dadurch dann schon. Auch wenn sie weiterhin etwas Sorgen bezüglich der Absichten der Blondine hatte.
Kurz darauf kam schon die Antwort, das dies keine Lüge war.
„Ein Lügner würde das auch sagen!“, erwiderte sie nur und zitierte somit ihren Vater als er sie einmal beim Flunkern erwischt hatte. Er hatte ihr anschließend erzählt, dass wenn man log, andere einen nicht mehr so vertrauen konnten wie vor der Lüge. Da Skadi nicht wollte, das man ihr nicht mehr vertraute, log sie seit dem Vorfall nicht mehr. Wenn überhaupt ließ sie ein Detail einer Geschichte aus oder erzählte einfach etwas nicht. Denn wenn sie nicht redete, war es ja kein lügen. Sie verheimlichte nur etwas. Würde jemand sie darauf ansprechen, würde sie auch sofort alles beichten. Sozusagen eine Grauzone, die sie sich für ihre eigenen Regeln aufgestellt hatte.
Dann sprach die Frau auch schon weiter und überraschte Skadi mit ihren Worten. Leif, ihr Vater hatte dem Engel von dem Dorf erzählt. Doch er hätte ihr gesagt, wenn er dies getan hätte. Dies verwirrte sie etwas, da sie nicht wusste, ob die Fremde log oder nicht. Doch kaum eine Sekunde später wurde sie aufgeklärt.
Die Frau war Anouk. Die Frau, die Skadi das Leben gerettet hatte, als sie vier Jahre alt gewesen ist. Bevor sie das Dorf erreicht und wieder aufgebaut hatten. Leif hatte damals Anouk von Balar erzählt, damit die Kräuterhexe einen Zufluchtsort hatte, wenn sie ihn brauchte.
Aus Schock und Überraschung dass ihre Lebensretterin vor ihr stand, ließ Skadi fast den Pfeil los. Schnell presste sie ihre Finger wieder um den Pfeilschaft und entspannte dann die Sehne. Auch wenn sie sich den Absichten von Anouk nicht sicher sein konnte, würde sie niemals sie erschießen. Sie hatte eine Lebensschuld bei der Frau zu begleichen. Mit großen Augen starrte sie Anouk an und realisierte noch nicht so ganz, dass der Engel tatsächlich ihr Engel war.
„Tante Anuck?“, fragte sie und nahm Pfeil und Bogen in eine Hand. Ihr Vater hatte immer mal wieder die Geschichte von vor vier Jahren erzählt, doch Anouks Namen hatte sie nicht zu hundert Prozent in ihrem Kopf behalten.
„Mein Papa hat mir erzählt wie du mir das Leben gerettet hast!“, meinte sie dann: „Danke dafür. Ich stehe in deiner Schuld. Und tut mir Leid, dass ich vorhin auf dich geschossen und dich eine Lügnerin genannt habe.“
Rückblickend war sie echt froh nicht getroffen zu haben. Die Götter wären sicherlich erzürnt gewesen, wenn sie die Frau umgebracht hätte, der sie ihr Leben verdankte. Schließlich dankte man niemanden so etwas mit einem Pfeil im Kopf oder im Herzen.
Da Skadi nicht wusste was sie sonst sagen konnte, sagte sie einfach das erstbeste was ihr in den Sinn kam: „Sag meinem Papa bitte nicht, dass ich allein draußen war!“
Mit dieser Bitte gab sie Anouk auch zugleich zu verstehen, dass sie sie zum Dorf brachte. Reingehen musste sie allerdings alleine, denn Skadi durfte schließlich nicht alleine rausgehen. Sie würde wieder durch das Loch sich quetschen und Anouk hinter der Mauer empfangen. So als wäre sie nur zufällig dagewesen und würde eine alte Bekannte sofort erkennen. Ihr Plan hatte zwar den ein oder anderen Haken, doch Skadi wusste nicht, wie sie dies anders anstellen sollte.

@Anouk Kruger


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#7

RE: See

in Außenbereich 09.04.2019 09:07
von Fiona Lyn | 163 Beiträge

In manchen Situationen vermisste er sie auch noch immer, vor allem jetzt. Er fühlte sich unsicher und sie war ihm immer eine Stütze. Er hatte Angst das er vielleicht nicht bleiben würde können weil sie ihn nicht mochten, weil er vielleicht etwas sagte oder eine Bewegung machte die ihnen nicht passte.
Auch wenn es nur selten war, er glaubte an das Leben nach dem Tot, das man die Menschen die man liebte irgendwann und irgendwo wieder sehen würde.... und das hielt ihn doch am Leben. Er wusste das seine Schwester nicht wollen würde das er sein Leben weg warf. Sicher würde der Körper verrotten doch die Seele und der Geist eines Menschen lebte doch in den Erinnerungen weiter, die Menschen starben erst wenn man sie vergaß. Sein Blick lag auf dem Raben und er nickte leicht, wobei er leicht grinste. "Hab ich nicht vor."

Er hoffte wirklich das er sich hier einbringen würde können und das er so zu ihnen gehören konnte, irgendwie schien die Tatsache das er Zimmermann gelernt hatte sehr gut zu sein. Er war wirklich froh das Raven ihm anbot mit zum See zu kommen und er würde auch brav sitzen bleiben und sich ruhig verhalten damit er die Fische nicht verschreckte. Er Blcikte ihm kurz nach und schmunzelte leicht denn einen Stock zum stützen würde sicher lustig aussehen, doch es war das beste damit er seinen Fuß schonen konnte.
Er nahm den Stock welchen er ihm brachte entgegen und stand langsam auf ehe er sich leicht darauf stützte. "Der ist Perfekt." Langsam folgte er dem jungen Arzt zum See wobei sein blick auf dem Weg zum See leicht seine Umgebung beobachtete. Ihm war ohne seine Waffen doch recht unwohl denn was würde passieren wenn sie draußen angegriffen werden würden? Er atmete tief durch, er hatte die Regeln akzeptiert und er würde sie ja wieder bekommen daher musste er eben jetzt versuchen sich zu entspannen.
Sie kamen leider durch ihn doch ein wenig langsam vorran und sie brauchten eine weile bis sie an dem großen See ankamen. Er lächelte leicht und ließ sich brav am Ufer nieder und ließ seinen Fuß ins kühle wasser gleiten um ihn zu kühlen, da er doch ein wenig schmerzte. "Ihr habt es sehr schön hier..." Ja er hatte ja ein einiges sehen können und es gefiel ihm wirklich. Es schien gemütlich wenn auch etwas altertümlich, doch besser als wenn man allein in einem Wald lebte oder sich allein durch schlagen musste. Hier schien man sich gegenseitig zu helfen.

@Raven



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#8

RE: See

in Außenbereich 10.04.2019 11:21
von Anouk Kruger | 45 Beiträge

Das Mädchen schien ängstlich und mutig zugleich zu sein. Anouk konnte sich vorstellen, welchen Schrecken sie ihm eingejagt haben muss, als sie auf einmal auftauchte. Das hatte sie sicherlich nicht gewollt. Doch auch Anouk hatte sich erschreckt, immerhin wurde sie von einem Pfeil begrüßt. Beide schienen nach Begleitern der jeweils anderen Ausschau zu halten. Sie hoffte einfach, dass dieses Mädchen zu dem Dorf gehörte, dass Leif geplant hatte aufzubauen. Wenn ihm das wirklich gelungen war, dann würde ihr nichts passieren, solange sie selbst ruhig blieb und keine unüberlegten Bewegungen machte.
Anouk hatte viel gelernt in den letzten Jahren und sie konnte verdammt gut auf sich selbst aufpassen – auch wenn man das ihr aktuell nicht ansah. Der Winter war sehr hart gewesen und irgendwie war sie immer an den falschen Orten gewesen. Sie hatte einfach nichts zum Essen gefunden. Doch sie hatte den Winter überstanden und wurde auch wieder kräftiger, auch wenn es wohl noch etwas dauern würde, bis sie wieder bei vollen Kräften war. Dieses traumhafte Dorf, von dem der Mann, den sie vor vier Jahren getroffen hatte, geschwärmt hatte, schien für sie gerade genau das richtige zu sein. Außerdem war sie sehr lange allein gewesen und wollte auch mal wieder Menschen sehen – vor allem auch Menschen, die sie irgendwann kennen würde. Immer allein zu sein isoliert einen auf eine ganz seltsame Art und Weise.
Sie muss etwas lachen, als Skadi meint, dass Lügner das auch sagen würden. „Genauso wie ein Mensch, der nicht lügt.“ Doch dass das Mädchen so vorsichtig war, sprach ja für die Kolonie, die sie gerade beschützte, indem sie versuchte herauszubekommen wer aus dem Dorf gequatscht hatte, denn anscheinend hielt man den Standort und die Existenz geheim – in der heutigen Zeit war dies wohl auch besser. Sie hatte selbst schon erlebt wie schnell es gehen konnte, wenn man zu unvorsichtig war: auf einmal war alles ausgelöscht und man stand alleine da. Dies war einer der Gründe, wieso sie damals nicht mit Leif mitgegangen war. Sie hatte es sich vorstellen können, doch sie hatte gerade erst ihre Gruppe verloren und wollte sich noch nicht wieder an jemanden binden. Immerhin hatte es auch vier Jahre gedauert, bis sie sich sicher war, dass sie wieder bereit dazu war sich anderen anzuschließen.
Als Anouk Leifs Namen erwähnte, änderte sich die gesamte Situation. Das Mädchen schien zu wissen, von wem Anouk sprach und das beruhigte diese ungemein. Skadi hingegen schien überrascht und versuchte sicherlich einzuordnen wie das alles zusammenpasst. Noch immer schwirrte in ihrem Kopf der Gedanke, dass das Mädchen die Tochter des besagten Mannes ist und vielleicht hatte er ihr von Anouk und der gemeinsamen Zeit erzählt, auch wenn sie nur sehr kurz war. Doch dann sprach das Mädchen ihren Namen aus und es schien wirklich ein Riesenstein von Anouks Herzen zu fallen. „Skadi?“ Wer sollte sonst das Mädchen vor ihr sein, wenn sie sie so ansprach. Dass sie direkt die Waffe sinken ließ, war sicherlich nicht clever, denn die Kleine konnte nicht wissen, wie Anouk sich die letzten Jahre entwickelt hatte. Dennoch beruhigte es die ganze Situation noch zusätzlich, dass keine Waffen mehr im Spiel waren.
„Du musst dich für nichts entschuldigen. Du hast dein Dorf verteidigt, wie es sich gehört.“ Anouk lächelte immer mehr und musterte das hübsche Gesicht des Mädchens, dass sie vor vier Jahren zuletzt gesehen hatte. Sie war groß geworden und für eine Achtjährige sehr reif, was wohl auch damit zusammenhing, dass sie nichts anderes als dieses Leben hier kannte. Da konnte man nicht ewig Kind bleiben, sondern wusste eben mit acht Jahren schon wie man mit Pfeil und Bogen umgeht.
Dann musste Anouk lachen, als direkt die Bitte kam ihrem Vater nichts von dem Ausflug zu sagen. „Dein Geheimnis ist sicher bei mir.“ Sie setzte sich einfach auf den Boden, um einmal durchzuatmen. Der Weg hierher war anstrengend gewesen und diese Situation eben auch – immerhin herrschte bis vor einer Minute noch eine ziemliche Anspannung zwischen den Beiden. „Ich habe euch also gefunden.“ So richtig fassen konnte Anouk noch nicht. Sie hatte gehofft, dass Leif seinen Traum verwirklichen konnte und es dieses Dorf gibt, aber sie war sich nie sicher gewesen. Angst hatte sich immer wieder in ihr breit gemacht, dass sie einen verlassenen Ort vorfinden, an dem schon lange keine Menschen mehr lebten. Doch nun saß sie an diesem See und blickte in Skadis Augen – das Mädchen, um dessen Leben sie vor ein paar Jahren gebangt hatte und mit viel Glück hatte sie dieses retten können. „Entschuldige, ich bin noch etwas perplex. Ich bin seit Tagen unterwegs und wusste nicht, ob dein Vater es geschafft hat und… jetzt treffe ich gerade dich!“ Sie musste wieder lachen. „Wie geht es dir? Und wieso bist du überhaupt hier draußen, wenn du es anscheinend nicht darfst?“ Sonst hätte die Kleine wohl nicht um Anouks Stillschweigen gebeten.

@Skadi


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#9

RE: See

in Außenbereich 12.04.2019 22:18
von Skadi | 35 Beiträge

Das die blonde Frau bei ihrer Aussage lachte, irritierte Skadi kurz. Dann fasste sie sich jedoch und fragte dann: „Und woher soll ich dann wissen, ob du nun lügst oder nicht? Wäre es nicht schlauer gewesen, etwas zu sagen, was eindeutig zeigt, dass du nicht lügst?“
Nun war das Mädchen etwas durch ihre eigene Frage verwirrt. Wie konnte man jemanden überzeugen, dass man die Wahrheit sprach, wenn man die Person nicht kannte? Jeder im Dorf, wusste, dass sie nie log. Doch wie könnte sie selbst jemand Fremden davon überzeugen? Am besten man ließ taten sprechen und schaffte so das Vertrauen. Allerdings war dies im Moment schwierig, denn die Frau wollte zum Dorf. Aber Skadi vertraute ihr nicht, da sie behauptete jemand hätte ihr von dem Dorf erzählt. Was jedoch niemand tat. Konnte sie der Fremden also nicht vertrauen?
Skadi hatte eindeutig die Situation in der Hand. Sie konnte über das Leben des Engels entscheiden. Je nachdem was die Blondine sagte, würde sie in das Dorf kommen oder nicht. Dazu musste sie nur beweisen, dass sie die Wahrheit sprach.
Dies tat die Frau auch kurz danach. Sie erzählte Skadi von Leif und das er ihr von dem Dorf erzählt hatte. Auch berichtete sie, dass sie sie – Skadi – getroffen vor einigen Jahren getroffen hatte. Dadurch wusste das Mädchen, dass die blonde Frau zum Einen nicht log und zum Anderen Anouk war. Beides veranlasste sie dazu Anouk zu vertrauen. Gerade als sie die Waffen sinken ließ – denn man zielte nicht auf jemanden, bei dem man in der Lebensschuld stand – fragte die Blondine auch schon nach, ob sie Skadi sei.
Mit einem Lächeln auf den Lippen nickte sie: „Ja. Ich bin es!“
Anschließend entschuldigte sie sich noch schnell für ihr vorheriges Verhalten. Hätte sie gewusst, dass der vermeintliche Beißer ihr Schutzengel war, dann hätte sie nicht auf sie geschossen und sie nicht als Lügnerin betitelt. Letzteres war in Skadis Augen fast schon eine Beleidigung, denn schließlich hieß dies, dass man jemanden nicht vertrauen konnte.
Anouks Antwort erleichterte sie dann doch sehr. Sie war ihr nicht sauer und zugleich lobte sie Skadi dafür, dass sie ihre Pflicht als Dorfmitglied richtig ausgeführt hatte. Stolz streckte sie ihre Brust raus und lächelte breit. Hätte sie ihrem Vater von diesem Ausflug erzählen können ohne Anschiss zu kriegen, dann wäre sie sicherlich sofort, wenn sie im Dorf waren, zu ihm gelaufen und hätte ihm erzählt was sie heute geleistet hatte. Doch so wollte sie lieber diese Geschichte solange verheimlichen, bis man ihr auf die Schliche kam oder sie fragte, ob sie draußen gewesen war. Dann würde sie wahrscheinlich kleinlaut zugeben, dass sie sich rausgeschlichen hatte, doch gleich im Anschluss erzählen, dass sie richtig gehandelt hatte. Selbst in den Augen von Fremden.
Gleich darauf bat Skadi auch schon Anouk Leif nicht zu verraten, dass sie hinter der Mauer gewesen war. Diese Bitte brachte die Blondine zum Lachen, was Skadi die Backen aufplustern ließ. Das war nicht lustig. Sie würde Hausarrest bekommen, wenn ihre Vater oder irgendjemand anderes von ihrem Ausflug erfuhr. Denn früher oder später wurde die Information auch zu dem Anführer des Dorfes dringen. Buschtrommeln hatte Leif es einmal genannt. Nichts bleib lange geheim, wenn jemand von dem Geheimnis wusste. Denn das Dorf war klein und jeder redete mit jedem.
Dann setzte sich Anouk auf den Boden und Skadi ging schnell die wenigen Schritte zu ihr rüber, aus Sorge, die Blondine war in dem Moment zu schwach sich auf den Beinen zu halten. Was wohl auch der Fall gewesen war, nicht umsonst hatte sie die schwankende Bewegung zu Beginn einem Beißer zugeordnet. Anouk musste sehr wackelig auf den Beinen gewesen sein. Die Worte von Anouk bekam sie aus Sorge gar nicht so richtig mit. Sie war so dünn, wahrscheinlich hatte sie ewig nichts gegessen und deswegen sie schwach.
„Ich hab kein Wasser dabei, aber vorhin habe ich ein paar essbare Knollen und Wurzeln gefunden.“, meinte sie und zog eifrig ihre Tasche von ihrer Schulter. Gleich als sie hineinfasste, zog sie sofort ihre Hand wieder heraus. Sie hatte die Brennnesseln vergessen, die ganz oben lagen. Auf ihren Fingern bildeten sich schon rote Punkte und es brannte höllisch. Doch Skadi war schlimmeres gewohnt. Schließlich hatte sie eine Bärin als Freundin. Beim Spielen hatte sie sich so den ein oder anderen Kratzer zugezogen, die immer noch als Narben auf ihrer Haut zu sehen waren. Dies schmerzte um einiges mehr als eine Brennnessel. Aber sauer war Skadi nie auf Matanus gewesen. Der Schwarzbär hatte dies schließlich nicht mit Absicht getan.
Da sie keine Lust hatte sich erneut die Finger zu verbrennen, schüttete sie einfach den Inhalt der Tasche vor sich und Anouk auf dem Boden aus. Die essbaren Pflanzen pflückte sie dann aus dem kleinen Haufen und hielt sie Anouk hin.
Anouk sprach dabei zu ihr, wie sich gerade fühlte und dass sie sich sogar Gedanken darüber gemacht hatte, ob ihr Vater es überhaupt bis nach Balar geschafft hatte.
„Du musst dich nicht entschuldigen.“, meinte Skadi: „Jeder der hier ankommt ist erschöpft und weiß meist nicht so richtig wie er damit umgehen soll, dass er hier ist. Für dich muss es ja noch verwirrender sein!“
Anschließend setzte sich Skadi in Schneidersitz vor den Haufen und gegenüber von Anouk hin. Ihr Schutzengel war noch nicht bereit aufzustehen und wollte sich mit ihr unterhalten. Sie wollte wissen, wie es Skadi ging und weshalb sie verbotener Weise sich hier draußen aufhielt.
„Mir geht es gut. Und dir? Du siehst schwach aus!“, erwiderte sie und meinte es nicht einmal beleidigend. Das dunkelblonde Mädchen sagte nur frei heraus, was sie dachte. Was sie sich eindeutig von ihrem Vater abgeguckt hatte.
Etwas verlegen sich nun erklären zu müssten, sah sie auf die Pflanzen. Langsam packte sie diese wieder in ihre Tasche ein, bis auf die Knollen und Wurzeln, die sie Anouk gegeben hatte, und meinte dann: „Ich bin das einzige Kind in Balar. Alle arbeiten und mir ist langweilig. Ich kenne jeden Winkel des Dorfes. Da gibt es nichts mehr zu sehen. Papa hat mir alles wichtige gezeigt. Deswegen dachte ich, ich komm draußen schon klar.“
Zum Ende hin, sah sie zu Anouk hoch – sitzend war sie auch kleiner als die kleine Frau. Da auch Skadi einige Fragen im Kopf herumspukte, wollte sie auch die Blondine mit Fragen löchern. Allerdings nicht um von ihrem Regelbruch abzulenken. Sondern da sie nun endlich die Antworten bekommen konnte, die ihr Vater nicht geben konnte.
„Bist du so ein christlicher Engel? Papa hat gesagt er weiß es nicht. Aber jetzt bist du hier und ich kann dich das endlich fragen!“, platze es schon aus Skadi heraus: „Wenn du einer bist, will ich deine Flügel sehen!“
Sie machte eine kurze Pause, damit Anouk ihr Antworten konnte und stellte dann auch gleich schon die nächste Frage: „Wieso bist du nicht gleich mit uns mitgekommen? Und warum kommst du jetzt? Ist irgendetwas passiert? Und bist du wie ich noch in der Wachstumsphase? Du bist klein! Kleiner als ich es mir immer bei Papas Geschichten vorgestellt habe. Und kleiner als die anderen Frauen im Dorf!“

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#10

RE: See

in Außenbereich 16.04.2019 14:32
von Anouk Kruger | 45 Beiträge

Es war sicherlich schwer einzuschätzen, ob jemand fremdes lügt oder die Wahrheit sagt. Woran wollte man dies auch festmachen und auch Anouk hatte keine Ahnung wie sie dem jungen Mädchen klarmachen sollte, dass sie keine Lügnerin ist. Skadi kannte sie nicht und konnte so auch nicht wissen, dass Anouk allgemein sehr ungern log. Aber wie sollte sie denn sonst von dem Dorf erfahren haben, wenn ihr niemand der Bewohner davon erzählt hätte? Vielleicht gab es eine Kolonie, die ihnen nicht freundlich gestimmt war? Manchmal überschlugen sich Anouks Gedanken etwas, sodass sie sogar vergaß, wenn sie mit jemanden sprach oder dass noch jemand bei ihr war. Doch in diesem Moment unterdrückte sie das, denn sie wollte dem Mädchen keinen falschen Eindruck geben – immerhin könnte diese sie ohne Probleme töten in der aktuellen Situation.
Zum Glück tat sie dies nicht und die Situation entspannte sich, als Anouk offenbarte wer sie war und das Glück war ebenfalls mit ihr, dass sie direkt an Leifs Tochter Skadi geraten war, die sie anscheinend von Erzählungen her kannte. Sie freute sich wirklich sehr, dass es dem Mädchen gut ging und sie so groß geworden war. In den letzten Jahren hatte sie immer mal wieder an sie und ihren Vater gedacht, mit dem sie sich wirklich gut verstanden hatte und den sie echt mochte. Er war nicht der einzige gute Mensch gewesen, dem Anouk über den Weg gelaufen war, doch einer der besonderen. Er war unfassbar bodenständig gewesen und im Umgang mit seiner Tochter so liebevoll – außerdem hatte Anouk wirklich lange kein Kind mehr gesehen und war daher umso glücklicher, dass die Kleine gerettet werden konnte. Und sie hatte sich toll entwickelt, soweit die blonde Frau das beurteilen konnte. Sie war so ein hübsches Mädchen und Anouk hatte sich oft gefragt, wie sie sich wohl entwickelt hatte. Sie nun zu sehen erfüllte sie mit großem Glück und mit Stolz, dass die Kleine ihr Dorf so beschützte. Leif hatte sie gut erzogen, auch wenn Anouk niemals daran gezweifelt hatte, dass der große Mann das hinbekommt. Auch wenn Skadi wohl nicht aus dem Dorf herausdurfte – immerhin sollte ihr Anouk Stillschweigen versprechen. Doch die Kleine erklärte sich auch direkt und Anouk konnte sie gut verstehen. Es musste fürchterlich langweilig sein, wenn man niemanden in seinem Alter hatte und das Dorf war ja auch nur begrenzt erkundbar ist. Natürlich war es gefährlich und Anouk verstand Leif, dass er nicht wollte, dass seine Tochter alleine durch die Wälder streifte. Doch anscheinend konnte diese sich sehr gut verteidigen und Leif wäre sicherlich stolz auf seine Tochter, wenn sie dabei nicht gerade seine Regeln gebrochen hätte. Der Gedanke amüsiert Anouk schon etwas und vielleicht konnte man das Leif irgendwann doch erzählen – in ein paar Jahren, wenn er ihr nicht mehr böse sein würde.
Für einen Moment realisierte sie, dass sie wirklich das Dorf gefunden hatte und dass es dieses überhaupt gab. Sie hatte die kleine Skadi vor sich (die gar nicht mehr so klein war) und würde auch Leif bald wiedersehen. Immer wieder hatte sie zwischendurch die Hoffnung aufgegeben und war sich auch zum Ende hin nicht sicher gewesen, ob sie auf dem richtigen Weg war. In den letzten Jahren hatte sie zwar einen sehr guten Orientierungssinn entwickelt, doch es ging ihr wirklich nicht gut und daher vertraute sie ihrem Körper zurzeit nur bedingt. Auch Skadi schien zu bemerken, dass Anouk nicht bei Kräften war, denn sie suchte direkt etwas zu Essen aus ihrer Tasche, was die blonde Frau lächeln ließ. „Danke dir.“ Sie beobachtet das Mädchen und war für einen Moment irritiert, als diese zurückzuckte, doch als der Inhalt der Tasche auf dem Boden lag, erblickte Anouk die Brennnesseln und konnte sich schon denken, dass die Blätter Skadis Haut verbrannt hatten. Sie hatte die Wurzel nicht dabei, die die Schmerzen linderte und machte sich klar, dass sie wirklich wieder ein paar Kräuter sammeln musste, um auch auf solche Zwischenfälle vorbereitet zu sein. „Dankeschön!“ Sie nahm die Blätter und Wurzeln entgegen und aß sogar etwas davon – ihr Körper hatte gar keinen Hunger mehr, doch er brauchte die Nahrung dringend. Also aß Anouk, während sie Skadi zuhörte. Dass diese sich zu ihr setzte, gefiel Anouk, denn so konnten sie noch einen Moment miteinander sprechen, bevor sie sich wohl zu dem Dorf aufmachten. Das bedeutet wohl ein neues Leben für die kleine Frau und kurz ließ sie ihren Blick schweifen – sie hatte sich immer wohl gefühlt in der Natur, doch wenn Leif sich nicht allzu sehr verändert hatte, dann würde die Verbundenheit der Natur nicht abbrechen, nur weil sie sich dem Dorf anschloss. Denn dazu hatte sie sich entschieden – unter der Bedingung, dass man sie dort haben wollte.
Anouk fasste es überhaupt nicht negativ auf, dass Skadi sie so direkt darauf ansprach, dass sie nicht so gut aussieht. Ein Lächeln umspielte ihre Lippen und sie nickte. „Es war ein sehr harter Winter und ich bin aktuell nicht die fitteste. Aber so an sich geht es mir gut. Jetzt sogar noch besser, nachdem ich dich getroffen habe.“ Anouk war sich immer sicher, dass es so etwas wie Lebenswillen gibt und immer wieder gemerkt, dass dieser bei ihr sank, je weniger sie zum Essen fand. Doch jetzt war er wieder da. Da war Hoffnung. Dann brachen auf einmal eine ganze Menge Fragen aus Skadis Mund und Anouk kaute noch auf, bevor sie dieser jede einzelne beantwortete. Leise lachte sie und schüttelte ihren Kopf. „Ein Engel also?“ Der Gedanke ließ sie schmunzeln. „Aber nein, ich bin kein christlicher Engel. Mein Glaube ist eher in der Natur verhaftet und ich sympathisiere eher mit den heidnischen Göttern.“, erklärt sie Skadi und hofft, dass diese damit etwas anfangen kann. Allerdings ist sich Anouk sehr sicher, dass Leif ihr den Glauben an die nordischen Götter weitergegeben hat und sie daher auch andere Glaubensrichtungen kennt. „Daher kann ich dir leider auch keine Flügel präsentieren.“ Sie mochte die Vorstellung, dass Skadi sie die ganzen Jahre über als Engel sah, auch wenn sie jetzt hofft, dass die Kleine nicht enttäuscht sein wird, wenn sie mitbekommt, dass Anouk einfach nur ein Mensch ist. „Als ich deinen Vater und dich traf, hatte ich kurz vorher die Gruppe verloren, bei der ich gelebt hatte. Ich war nicht dazu bereit mich wieder jemanden anzuschließen und das noch einmal durchzumachen. Dein Vater hat das zum Glück verstanden, mir aber auch angeboten, dass ich jederzeit zu euch kommen kann. Und daraufhin beschrieb er mir den Weg zum Dorf.“ Sie aß noch einen kleinen Happen, bevor sie weitersprach. „Ich habe in den letzten Jahren immer mal wieder darüber nachgedacht, ob ich nach euch suchen soll, doch irgendwie…“ Sie hob leicht ihre Schultern und lachte dann etwas. „Ich kann es dir nicht erklären. Es hat sich nicht richtig angefühlt? Das beschreibt es auch nicht genau… ich denke, ich war einfach noch nicht soweit. Und vor einigen Tagen träumte ich von deinem Vater. Als ich erwachte, fühlte ich mich bereit und deutet den Traum als Zeichen, dass es nun an der Zeit war das Dorf zu suchen und euch zu finden.“ Dann musste sie wieder lachen. „Und nein, ich bin nicht mehr im Wachstum. Ich bin einfach so klein. Ein kleiner Mensch… das gibt es auf!“ Mit großen und aufgeregten Augen sah sie Skadi an. „Erzähle mir von eurem Dorf? Wie ist es euch ergangen? Wie geht es deinem Vater? Meinst du… es gibt einen Platz für mich bei euch?“

@Skadi


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#11

RE: See

in Außenbereich 09.05.2019 13:26
von Skadi | 35 Beiträge

Bis jetzt war Skadi nur wenige Male alleine ohne tierische oder menschliche Begleitung in der Umgebung des Dorfes gewesen. Ziemlich oft ging ihr Vater mit ihr raus, damit sie die Gegend erkunden konnte und er ihr verschiedenes über die Natur beibrachte. Wenn sie nicht mit ihm unterwegs war, dann hatte sie @Azra als Begleitung und so auch öfters @Akando – den weißen Wolf. Falls sie jedoch mit Matanus vor den Toren Balars stand dann wurde sie auch durchgelassen. Die Bärin rannte gerne einmal weg, wenn er sich erschreckte. Doch wenn ein Untoter auftauchte, würde dieser niemals eine Gefahr für Skadi werden. Innerhalb von wenigen Sekunden war diese Plage durch die Zähne und Krallen des Tieres vernichtet. Aus diesem Grund durfte Leifs Tochter das Dorf mit ihrer besten Freundin verlassen.
Diese schlief jedoch noch, weswegen ihr an dem heutigen Tag nichts anderes übrig geblieben ist, als sich hinauszuschleichen. Sicherlich hätte sie einfach sagen können, sie geht zu Azra und wäre so hinausgelassen worden. Doch sie log nicht, weswegen dies für sie keine Option gewesen war.
Das gerade an diesem Tag ihr dann eine fremde Überlebende über den Weg lief, war natürlich für das Mädchen ziemlich unglücklich gelaufen. Allerdings stellte es sich nach wenigen Minuten raus, dass sie doch nicht so viel Pech gehabt hatte, wie sie anfangs angenommen hatte. Die Fremde war eine alte Bekannte ihres Vaters, welche ihr sogar das Leben gerettet hatte. So war sie ganz froh, sie als erstes getroffen zu haben. Wer wusste schon wie die Wachen reagiert hätten, wenn Anouk ihnen berichtet hätte, dass Leif ihr von dem Dorf erzählt hat. Diese kannten ja nicht die Geschichte, wie Anouk Skadi das Leben gerettet hatte. Bei Neulingen waren sie immer vorsichtig, doch wer erzählte, jemand aus dem Dorf hätte die Sicherheit der Kolonie aufs Spiel gesetzt, würde noch einmal kritischer betrachtet werden.
Gerade als Skadi eben dieses Wissen erlangt hatte, dass die Frau Anouk war und zumindest in Skadis Augen keine Gefahr darstellte, setzte sich Anouk auf den Boden. Sofort sah die Nygard der blonden Frau an, dass irgendetwas nicht stimmte. Sie sah schwach und ausgehungert aus. Aus diesem Grund bot das kleine Mädchen ihr sofort etwas zu Essen an. Damit die Frau wieder etwas Kraft tanken konnte. Mit einem lächeln auf den Lippen bedankte sich Anouk für die Knollen, Wurzeln und Blätter. Was wiederrum Skadi lächeln ließ. Es war immer schön zu sehen, wenn jemand dankbar für so kleine Dinge wie Essen war und sich darüber freute, dass jemand teilte. Skadi hatte nämlich oft genug von den Bewohnern des Dorfes Geschichten gehört, wie es in den restlichen Bereichen der Welt zuging. Dort raubte man fremde Menschen aus oder tötete sie gar, nur um an deren Essen, Trinken, Kleidung und Waffen zu kommen. Dabei wussten die Angreifer nicht einmal, ob die Person auch einfach so ihre Mittel geteilt hätten.
Bevor sie jedoch Anouk etwas Nahrung geben konnte, verbrannte sie sich an den Brennnesseln, die dazu gedacht waren, später als Tee zu enden. Oder als Heilkraut bei @Raven . Denn anscheinend halfen die Blätter gegen Verletzungen der Haut. Nur zu oft hatte Skadi einen Wickel auf eine Schramme oder einen Kratzer gelegt bekommen. Oder wenn ihr Magen weh tat, hatte sie einen Tee oder Brei aus der Heilpflanze essen müssen.
Nun jedoch verletzte die Pflanze sie, weswegen sie innerlich fluchte und schnell die Tasche ausleerte, damit ihr das nicht noch einmal an dem heutigen Tag passierte. Während sie so beschäftigt und abgelenkt war, bekam sie nicht mit, wie ihre blonde Freundin sie zuerst irritiert ansah. Schließlich konnte Anouk nicht wissen, dass sie Brennnesseln in ihrer Tasche hatte, die sie zu dieser Reaktion und Handlung gezwungen hatten. Allerdings wuchsen in der Nähe sicherlich diese Breitwegerich-Pflanzen, von denen Skadi auch immer noch den richtigen Namen vergas und sie deswegen die Wegepflanze nannte. Doch obwohl sie sich meist nicht an den Namen erinnern konnte, wusste sie, wie das Heilkraut aussah und dass es gegen Brennnesselstiche half. Nur dabei hatte sie es nicht, weswegen sie es erst einmal suchen musste. Oder sie ging einfach zum Doktor. Der hatte es immer zuhause.
Dann gab sie Anouk das Essen und lächelte erneut, als sich die Frau wiederholt dafür bedankte.
„Das da –„, sie deutete auf ein paar Wurzeln und Knollen: „- sind Rohrkolben. Sie wachsen am See und können irgendetwas mit dem Wasser machen. Sagt zumindest Papa. Was genau, weiß ich aber nicht mehr! Aber man kann sie auch essen.“
Skadi musste natürlich stolz ihr Pflanzenwissen mit Anouk teilen, da sie ja eigentlich nur durch diese Frau das Interesse an diesem Bereich hatte. Schließlich hatte Anouks Wissen über Heilkräuter ihr Leben gerettet. Also wollte sie auch wissen, wie sie damit Menschen retten konnte, die liebt hatte. Beziehungsweise generell das ganze Dorf, denn sie mochte alle Bewohner von Balar.
Während Skadi Anouk zutextete und ihre Fragen beantwortete und dafür auch welche stellte, risse sie neben sich das Gras aus. Dies tat sie eher unbewusst, doch als sie das bemerkte, steckte sie das gemähte Gras in ihre Tasche zu den Kräutern. Damit konnte sie sicherlich ein paar Ziegen im Dorf füttern. Auch wenn diese genug Heu und frisches Gras hatten, sie hatte das Gras ja nun gerupft, also konnte sie dies ja gleich weiterverwenden. Sonst hätte sie noch unnötig die Natur verschandelt.
Anschließend klärte Anouk das Mädchen auf, weshalb sie sie ausgemergelt aussah. Sie hatte einen harten Winter hinter sich. Am Ende offenbarte sie ihr sogar, dass sie sich allein durch Skadis Anwesenheit besser fühlte, was dieser wiederrum ein breites Lächeln auf das Gesicht zauberte.
„Im Dorf koch ich was für dich. Ich kann Pancakes machen.“, erklärte Skadi Anouk wie zuvor mit einem stolzen Unterton: „Und wir haben sogar Marmelade dafür.“
Einige Bewohner kochten zuhause aus den gesammelten Beeren und Früchten, die in der wilden Natur wuchsen Marmelade und verteilten sie an alle. Dadurch hatte Skadi inzwischen Himbeermarmelade, Erdbeermarmelade, Pfirsichmarmelade und noch einige andere, sowie Apfelmus. Letzteres war zwar keine Marmelade, doch man konnte dieses auch gut zu Pancakes essen. Eben diese ganzen weiterverarbeiteten Früchte und Beeren zählte auch gleich auf, um Anouk ihre Pancakes noch schmackhafter zu machen.
Dann schossen auch tausende Fragen aus Skadis Mund, die erste war für sie jedoch die wichtigste. Denn das kleine Mädchen wollte endlich wissen, ob sie einen der christlichen Engel getroffen hatte. Leider war dies nicht so. Doch Anouk würde wahrscheinlich weiterhin für Skadi ein Engel bleiben. Anders konnte sie sich nicht erklären was vor vier Jahren passiert war.
„Wir können dann zusammen ein Ritual mit Opfergabe durchführen, damit es dir bald besser geht!“, schlug Skadi anschließend vor. Ihr Vater hatte ihr so einiges was den Asatru-Glauebn betraf beigebracht. Auch Rituale und Opfergaben. In früheren Zeiten waren diese noch mit Blut verbunden, doch ihre Familie machte so etwas nicht.
„Glaubst du auch an Odin, Frey, Thor und Freya?“, hakte dann die Dunkelblonde nach. Zu gern würde sie noch jemanden kennen, der ihren Glauben teilte. Sie akzeptierte, wenn jemand an andere Götter glaubte, doch es war für sie schöner, wenn bei ihren Bräuchen mehrere Personen anwesend waren, als nur ihr Vater und ein interessierter Dorfbewohner. Zu mehreren machte schließlich alles gleich viel mehr Spaß und die Götter würden sie über weitere Gläubige freuen, die bei den wichtigen Ritualen mitmachten.
„Und wenn du keine Flügel hast, basteln ich dir einfach welche. Sie stehen dir sicherlich gut!“, grinste Skadi sie an, denn es interessierte sie tatsächlich, ob Anouk mit Flügeln einem Engel noch mehr glich. Nur einmal war Skadi in einer Kirche gewesen. Das war kurz vor der Ankunft in Balar, da hatten sie sich in dem Gotteshaus vor Untoten verstecken müssen. Hinter einem komischen Kreuz befand sich ein Fenster, welches vom Boden bis zur Decke ging und aus etlichen farbigen Glassteinchen bestand. Diese Steine waren so angelegt worden, dass sie einen Engel abbildeten. Doch das beeindruckendste war für Skadi gewesen, als die Wolken das Sonnenlicht wieder durchließen und das Fenster beleuchteten. Dieses Bild hatte sich für immer in den Kopf des Kindes eingebrannt und sie war sich sicher, dass Anouk mit Flügeln so schön aussah wie dieses Gemälde.
Nach diesem Thema erklärte die Blondine Skadi, weshalb sie früher nicht sofort mit ihnen gekommen war, wie er ihr den Weg nach Balar beschrieben hatte und warum sie nun sich für diesen Schritt entschieden hatte. Als Anouk kurz auflachte, da sie nicht wusste wie sie ihre Entscheidung erklären konnte, sah Skadi sie weiterhin interessiert an. Schließlich war sie tatsächlich nun gespannt auf den Grund, weshalb ihre alte Bekannte das Dorf hatte auffinden wollen.
Mit großen Augen sah sie dann Anouk an, als diese ihr offenbarte, dass sie von ihrem Vater geträumt hatte. Sofort schossen weitere Fragen in ihrem Kopf herum, welche sie auch gleich stellte: „Bist du eine Völva? Das ist ja noch cooler als ein Engel. Du musst mir immer erzählen, was du träumst!“
Skadi hatte von ihren Vater ein paar Legenden über diese Hellseherinnen gehört und hatte immer gehofft, dass sie diese Gabe hatte. Denn zum einen war dies nun einfach nur cool, wenn man in die Zukunft träumen konnte, und zum anderen konnte sie sicherlich so einige Tragödien, die sich in der heutigen Zeiten nun einmal abspielten, verhindern.
„Du hast von Papa geträumt? Habt ihr da Sport gemacht?“, frech grinste Skadi die Blondine an und wackelte mit den Augenbrauen. Für ihr Alter hatte sie schon zu viel, was dieses Thema betraf, gehört, erklärt und einfach so mitbekommen. Generell war Leif keiner, der seine Aktivitäten verheimlichte, wodurch Skadi schon früh mehr oder weniger aufgeklärt worden war. Sie wusste zwar nicht, was die Erwachsenen genau taten, doch sie wusste, dass dies eben nur Erwachsene tun durften und ihnen sehr viel Spaß machte. Auch wenn sie dabei komisch Geräusche von sich gaben. Und irgendwie jeder im Dorf tat das. Also würde es das Mädchen nicht wundern, wenn Anouk im Schlaf das auch machen wollte.
Danach wurde Skadi über Anouks Größe aufgeklärt und wenn sie sich recht erinnerte, waren einige Frauen im Dorf tatsächlich auch nicht viel größer als Anouk. Tante Grace und Lyanna waren beide sicherlich nur eine Handbreite größer. Und auch Azras Schwester war genauso groß wie die beiden. Nur die Männer im Dorf, die waren riesig. So als hätten sie den Frauen die Größe geklaut oder es gehörte einfach so, dass Frauen klein und Männer groß waren.
Dann fragte Anouk nach dem Dorf, wie es ihnen in den letzten Jahren ergangen war, wie es ihrem Vater ging und ob man sie überhaupt aufnehmen würde.
„Also vor drei Jahren haben wir das Dorf gefunden und Onkelchen und Papa haben dann unser Haus repariert. Danach die anderen Häuser. Kurz danach kamen der Doc, also Raven, und Haggrid, unserer Wildhüter. Und andere. Aber die beiden mag ich von denen am meisten. So sind wir immer mehr und mehr geworden und können gut überleben!“, erklärte sie, auch wenn sie dabei zumindest was Raven und Azra betraf es nicht sehr gut erklärt hatte: „Und wir sind überfallen worden. Ohne Raven würde Papa nicht mehr leben. Deswegen sagen wir auch niemanden, wo wir sind. Wir wollen das nicht noch einmal. Aber Papa geht es wieder gut. Er macht gerade viel mit Tante Grace. Sie schreiben und zeichnen alles auf, an was sie sich erinnern. Damit es dem Dorf weiterhelfen kann. Tante Grace wird dich auch in unser Bewohnerbuch zeichnen. Sie kann das echt gut. Da kommt jeder rein, der bei uns wohnt. Und da wirst du auf jeden Fall reinkommen. Jeder, den wir mögen, darf bei uns bleiben.“
Kurz versuchte sie sich daran zu erinnern, was die ganzen Regeln für die Neuankömmlinge waren: „Du darfst dann nur eine kurze Zeit nicht alleine raus und keine Waffen tragen. So können Neue nichts machen, wenn wir noch nicht wissen, ob wir ihnen vertrauen können. Aber ich denke bei dir wird das nicht lange dauern. Am Ende der Zeit treffen sich alle, bis auf dich, und reden, ob du bleiben darfst. Dabei müssen auch ein oder zwei für dich bügeln!“ – damit meinte sie bürgen, doch dies war ebenfalls ein Wort, was sie entweder einfach vergas oder mit einem anderen wie ‚bügeln‘ vertauschte – „Wenn die das machen, dann bist du Mitglied und bekommst einen Armreif!“
Zum Ende hin schob sie den Ärmel ihres Leinenhemdes hoch und zeigte Anouk den Mitgliederarmreif von Balar, der früher die Wikinger bekommen hatten, wenn sie in das kampffähige Alter gekommen waren.

@Anouk Kruger


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#12

RE: See

in Außenbereich 14.05.2019 11:23
von Anouk Kruger | 45 Beiträge

Anouk hatte keine Ahnung gehabt, was sie in dem Dorf erwartet hättet. Sie war sehr froh, dass sie auf Skadi getroffen war. Jemanden, den sie kannte und die sie kannte. Sie musste sich nicht rechtfertigen woher sie von dem Dorf wusste und Skadi glaubte ihr auch direkt, dass sie die Informationen von Leif hatte. Was hätte sie getan, wenn man sie fortgejagt hätte? Wahrscheinlich wäre sie weitergezogen und hätte das Beste daraus gemacht, doch es hätte ihr sicher ein Stückweit das Herz gebrochen, denn sie hatte sich wirklich darauf gefreut das Dorf zu finden, zu sehen was Leif und sein Bruder aufgebaut haben und auch darauf, die beiden Nygards wiederzusehen. Und dann traf sie auf Skadi und Anouk musterte sie immer mal wieder, was sie jedes Mal erneut zum Lächeln brachte. Skadi war eine junge starke Frau geworden und für ihr Alter schien sie schon sehr weit – was sie nicht verwunderte. Die Kleine war ein Kind der Apokalypse – sie kennt kein anderes Leben, musste sich nicht umgewöhnen, sondern ist mit den Bedingungen aufgewachsen. Natürlich konnte sie sich in dieser Welt behaupten. Und das freute Anouk, denn sie wollte dass Skadi überlebte. Auch wenn es wohl nicht so gut war, dass die Kleine sich aus dem Dorf geschlichen hatte, Anouk würde sie sicher nicht verraten. Zumindest dieses Mal nicht, denn sie hatte das Gefühl, dass die beiden nun quitt waren – gerade war Skadi Anouks Engel, der ihr Hoffnung auf ein neues und besseres Leben gab. Außerdem schien man sich sehr gut mit dem Mädchen unterhalten zu können. Sie schien so klug – Leif hatte gute Arbeit mit der Erziehung geleistet – ebenso wie der Rest des Dorfes, wovon Anouk einfach mal ausging, dass das alles Hand in Hand geschah.
Zum Glück war Skadi ohne tierische Begleiter gekommen, denn das hätte Anouk sicherlich verschreckt und sie wäre in ihrem Versteck geblieben, bis die Luft reingewesen wäre. Vor allem, wenn ein Bär an der Seite des Mädchens gewesen wäre. Doch so wie es passiert ist, sollte es auch sein. Anouk glaubte an das Schicksal und das hatte sie hierhergeführt. Auch das kurze Rasten und das Erzählen taten sehr gut. Anouk hatte seit Monaten mit niemanden mehr gesprochen und es überraschte sie in diesem Moment, dass es noch so gut funktionierte. Sie hatte immer auf ihr Bauchgefühl gehört und bisher hatte dies sie nie enttäuscht. Sie sprach nur mit Menschen, denen sie glaubte zu vertrauen und das waren nicht viele gewesen in den letzten Jahren. Doch ab und an traf man welche, die man auch ins Herz geschlossen hatte – so auch Leif und Skadi. Und nun saß sie, an diesem frühen Frühlingstag, mit Skadi an dem See im Gras und sie erzählten miteinander als wären sie alte Freunde – was sie wohl auch irgendwie waren. Und anscheinend hatte Leif seiner Tochter von Anouk erzählt, sodass das Mädchen ohne Scheu ihr gegenüber war. Bei genauerem Nachdenken war das nicht ganz ungefährlich, denn auch Anouk könnte sich in den letzten Jahren verändert haben. Doch anscheinend sah sie auch so geschwächt aus, dass nicht einmal mehr ein Kind Angst vor ihr hatte – obwohl wohl niemand Angst vor ihr hatte, wenn man sie das erste Mal sah. Ihre Stärke war nicht die körperliche, sondern die, dass sie weiß was sie kann und sich darauf konzentriert und nicht versucht in etwas gut zu sein, was sie einfach nicht kann. Natürlich lockten Herausforderungen auch sie, doch wenn es hart auf hart kam, dann berief sie sich doch lieber auf ihre Stärken und spielte diese aus – und das Waren eben hauptsächlich das Bogenschießen und das Anwenden von Pflanzenkunde. Sie konnte auch ganz gut kochen, doch diese Stärke konnte sie in den letzten Jahren eher selten nutzen.
Skadi hatte auch direkt das bisschen Essen in ihren Taschen Anouk gegeben und auch wenn es nicht viel war, das es gut etwas in den Magen zu bekommen. Gerade in den letzten Tagen hatte sie sich kaum noch auf die Suche das Essebaren begeben, weil sie sich denken konnte, dass sie nicht mehr weit vom Dorf entfernt war. Während sie langsam die Knollen aß – um den Magen nicht direkt zu schnell zuzufügen – lauschte sie Skadis Erklärungen zu den Pflanzen und ihr Lächeln wurde immer breiter. „Dein Vater hat dir viel beigebracht, was?“, fragt sie lächelnd nach. Sie erinnert sich noch sehr gut daran, wie Leif sie ausgefragt hatte zu den Pflanzen und Kräutern und Anouk ihm so viel sie ihm erzählen konnte, auch erzählte. Sie hatte ihm sogar gestattet einen Teil ihres Buches, das sie von ihrer Mutter bekommen hatte, abzuschreiben. In den ganzen Jahren hatte er sein Wissen sicher auch noch ausgebaut und es nun an seine Tochter weitergegeben. „Mit der Pflanze kann man Wasser reinigen. Es ist ein nicht ganz leichtes Verfahren, aber so kann man zumindest für Trinkwasser sorgen. Ein Wissen, das heutzutage sehr wichtig ist.“, erklärt sie sanft. Sie selbst kannte sich nicht so wirklich damit aus, wie genau die Reinigung funktioniert, aber sie wusste, dass die Pflanze das konnte. „Aus den Halmen kann mal auch Mehl machen.“, fügte sie noch hinzu. Sie liebte es über die Pflanzen- und Kräuterkunde zu sprechen und dass Skadi sich dafür zu interessieren schien, freute sie über alle Maßen. Auch fiel ihr auf, dass Skadi das abgerissene Gras einsteckte. Anouk selbst kannte das noch von früher: man saß irgendwo und beim erzählen spielte man mit Grashalmen herum. Ihre Mutter hatte ihr aber früh erklärt, dass man der Natur nicht einfach so etwas nehmen darf und auch Skadi schien so erzogen zu sein. Das Gras würde noch eine Verwendung finden, da war Anouk sich sicher. Doch als Skadi dann meinte, dass sie Anouk Pancakes mit Marmelade machen würde, konnte diese nicht anders als Lachen. Wahrscheinlich irritierte dies das junge Mädchen etwas und Anouk schüttelte leicht ihren Kopf, bevor sie Skadi wieder liebevoll ansah. „Ich habe seit Jahren keine Pancakes mehr gegessen und ich würde mich wirklich riesig freuen, wenn du mir welche machst.“ Schon der Gedanke daran weckte große Glücksgefühle in Anouk. Pancakes und Marmelade… Sie könnte fast weinen vor Freude. Sie war solange in den Wäldern unterwegs gewesen, dass der Aufbau einer neuen Zivilisation an ihr vorbeigegangen war. Und jetzt hatte sie eine Chance dies doch noch mitzuerleben, falls das Dorf sie aufnehmen würde.
„Ich denke ein Opferritus würde sicherlich helfen. Obwohl ich mir sicher bin, dass auch deine Pancakes mich wieder zu Kräften bringen.“ Skadi war so liebevoll zu ihr, dass ihr ganz warm ums Herz wurde. Diese Zuneigung kannte sie gar nicht mehr und das tat gerade sehr gut. Das kleine Mädchen gab Anouk gerade mehr, als sie selbst sicherlich mitbekam. Aber woher sollte sie auch wissen, dass Anouk seit vielen Jahren die meiste Zeit alleine unterwegs war und daher Zwischenmenschlich nicht so viel Interaktion hatte, außer sie traf auf jemanden, dem sie sich dann auch zeigte. Doch es waren nicht viele gewesen und Skadi ließ Anouk gerad etwas fühlen, das sie schon sehr lange nicht mehr gefühlt hatte – eine gewisse Art von Dazugehörigkeit und sie fühlte sich willkommen. Und sie mochte es, dass Skadi ihr so viele Fragen stellte, weil sie neugierig war. Neugierde hatte einen schon immer weitergebracht. „Ja, ich glaube an sie. Aber anders als du. In meinem Glauben gibt es eine Göttin und einen Gott, die in verschiedenen Gottheiten auftreten können – wie eben Odin oder Freya. Es gibt keine Hierarchie zwischen ihnen, sie sind einander gleichgestellt und bilden das Gleichgewicht.“ Dann musste sie etwas lachen, als ihr etwas einfiel. „Ich wollte meine Tochter immer Freya nennen – ich liebe den Namen.“ Daran hatte sie wirklich schon lange nicht mehr gedacht. „Unser Glaube ist verschieden, doch ähnelt sich in manchen Punkten sehr. Und ich kann dir auch gern mehr darüber erzählen, wenn dich das interessiert.“, sagte sie zu Skadi. Sie selbst wusste nur noch das, was ihre Mutter ihr beigebracht hatte – die Bücher konnte sie damals nicht mitnehmen. Aber vielleicht gab es hier leere Bücher, wo sie ihren Glauben niederschreiben konnte, damit er nicht verlorenging. „Okay, jetzt werde ich darauf bestehen, dass du mir Flügel machst!“ Es rührte Anouk wirklich sehr, dass Skadi sie als einen Engel sah und die Idee mit den Flügeln fand sie einfach nur wunderschön. „Aber dann mache ich auch welche für dich. Immerhin rettest du ja auch mich gerade, oder?“, hakt sie liebevoll nach. Skadi soll ruhig wissen, was sie hier gerade tut. „Eine Völva? Das wäre verdammt cool, aber ich denke eher nicht.“, meint sie lachend. „Aber es ist sicherlich besser so, denn ich will gar nicht zu viel sehen.“ Doch dann musste sie lachen. Skadi war wirklich nicht auf den Kopf gefallen und die Frage hatte Anouk für einen Moment aus dem Konzept gebracht. Eben ging es noch um Religionen und jetzt fragte das kleine Mädchen sie, ob sie davon geträumt hatte wie sie mit Skadis Vater schlief. Immer noch amüsiert schüttelte sie ihren Kopf. „Nein. In meinem Traum haben wir keinen Sport miteinander gemacht, Kleines.“ Leif und Anouk hatten über Sex und wie sie diesen sahen gesprochen – eines Abends, der wenigen Tage, die sie zusammen verbracht hatten. Daher wunderte es sie nicht, dass Skadi da nun doch schon ein Stück weit Bescheid wusste. Anscheinend wieder eine Sache, die sich nicht wirklich geändert hatte.
Doch dann erzählte Skadi vom Dorf und Anouk hörte gespannt zu. „Ihr habt nicht wirklich einen Wildhüter, der Hagrid heißt, oder?“, fragte sie lachend nach. Sie wusste nicht inwieweit Skadi die Harry Potter Bücher kannte, doch der Zufall war einfach zu groß – oder? „Das klingt alles wirklich gut und ich bin froh, dass ihr den Angriff überstanden habt.“ Genau das war der Grund gewesen, wieso Anouk Leif und Skadi damals nicht begleitet hatte. Eine Gruppe – oder gar Kolonie – war angreifbar und interessanter für andere. Sie hatte sich solange nicht auf andere Menschen eingelassen, weil sie Angst hatte diese wieder zu verlieren. Sie hatten doch alle schon viel zu viel verloren, oder? Ganz genau lauschte Anouk den Regeln und nickte ab und an. Diese waren verständlich und auf jeden Fall auch akzeptabel. Es würde sicher komisch sein, wenn sie ihre Waffen nicht mehr tragen durfte, doch sie verstand wieso und würde diese Zeit sicherlich überstehen. „Zwei Bewohner müssen dann für mich bürgen?“ Sie berichtigte Skadi nicht direkt, dafür fand sie es zu niedlich, dass die junge Frau das Wort bügeln benutzte. „Mal schauen, ob das klappt.“ Sie lachte leise und reichte Skadi den Rest der Wurzeln und Knollen. „Bringst du mich zu eurem Dorf, Skadi?“ Anouk konnte nicht leugnen, dass nun die Aufregung in ihr stieg, doch sie wollte es. Sie spürte, dass sie bereit war für eine Gemeinschaft und wenn das wirklich das Dorf geworden war, von dem Leif geträumt hatte, dann wäre es perfekt für sie.

@Skadi


The only constant in life is change.


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#13

RE: See

in Außenbereich Gestern 23:55
von Skadi | 35 Beiträge

Während Anouk langsam vor sich hin aß, redeten die Beiden miteinander. Skadi rupfte nebenbei auch noch ein bisschen Gras aus. Sie musste sich nebenbei immer irgendwie beschäftigen. Früher hätte man sie sicherlich schnell auf ADHS testen lassen. Doch das junge Mädchen war einfach eine Person, die voller Tatendrang war und immer etwas machen wollte. Hatte sie nichts in den Händen, musste sie einfach schnell etwas greifen und damit herumspielen. Allerdings konnte sie auch ruhig vor dem Feuer sitzen und den Geschichten ihres Vaters, Onkels oder anderen Bewohnern lauschen. Oder sie las an irgendeinem Ort. Würde sie nicht regelmäßig umblättern, könnte man sie in solchen Momenten für eine Statue halten. Hin und wieder flitzte sie jedoch auch beim Lesen los zu der nächstbesten Person und fragte nach der Bedeutung oder der Aussprache eines ihr fremden Wortes.
Nachdem Skadi also die ganzen Pflanzen wieder in ihre Tasche gelegt hatte, waren ihre Hände zur Ruhe verdonnert. Schnell fanden sie zu dem Grün und spielten zuerst damit rum, bevor sie kleine Büschel ausrupfte und zu einem Haufen anhäufte. Als ihr bewusst wurde, dass sie unnötig die Natur zum Sterben verdonnerte, packte sie das Gras jedoch wieder ein. Ein paar Bewohner hatten süße, kleine Ziegen, die ihnen Milch gaben. Mit diesen würde sie sich durch diese Gabe sicherlich noch besser anfreunden als sie eh schon waren. Skadi liebte Tiere und Tiere liebten auch sie. Eventuell lag es an ihrer Ausstrahlung, die den Tieren Ruhe und keine Gefahr vermittelte, oder die Götter hatten ihr eine besondere Gabe geschenkt.
Auf Anouks Frage hin, ob ihr Vater ihr viel beigebracht hatte, nickte sie schnell und erwiderte das Lächeln von der Blondine. Ja, ihr Vater hatte ihr viel beigebracht. Angefangen damit wie sie sich in dieser Welt verhalten musste um zu überleben bis hin zu den ganzen Wissen über Kräuter und andere Pflanzen.
„Ja, Papa geht mit mir oft raus und zeigt mir viel. Immer wenn ich denke, jetzt weiß ich alles, erklärt er mir etwas neues.“, antwortete sie und sah sie mit stolzen Blick ihres Vaters wegen an: „Manchmal hab ich das Gefühl Papa weiß alles!“
Interessiert lauschte sie Anouks Erklärung, was die Rohrkolben noch so alles konnten oder was man mit ihnen machen konnte.
„Vielleicht ist durch die Kolben der See so sauber!“, überlegte Skadi: „In den Tälern und Dörfern mussten wir das Wasser immer abkochen, da es richtig dreckig war. Aber auch das Seewasser müssen wir abkochen. Nur das vom Brunnen nicht. Da kommen keine Monster dran.“
Zwar verirrten sich nur selten Beißer in den See, doch auch nur einer reichte aus, damit man durch das Wasser krank werden konnte oder gar starb. Aus diesem Grund kochten sie einfach nur zur Sicherheit das Seewasser ab. Niemand wollte ein solches Risiko eingehen oder von einem plötzlich verstorbenen Nachbarn angefallen werden.
„Weißt du wie man das mit den Kolben macht? Also das Wasser sauber machen?“, hakte Skadi nach. Dies interessierte sie nun wirklich. Falls das Anouk ihr nicht sagen konnte, dann würde sie zu @Azra und @Raven gehen. Falls diese es auch nicht wusste, dann würde sie jedes Buch in Balar danach durchstöbern. Sie konnte es gar nicht ausstehen auf eine Frage keine Antwort zu bekommen. Sie brauchte immer eine Erklärung. Sei es eine Erklärung, weshalb man diese Fragen nicht beantworten möchte, so wie Raven es öfters mal tat. Gleichzeitig wurde er immer knallrot und sie hatte sich lange gefragt, weshalb dies so war. Bis zu dem Zeitpunkt wo sie das Wort ‚verklemmt‘ gelernt und man ihr erklärt hatte, dass nicht jeder so offen mit Sportfragen umging wie ihr Vater.
Nachdem Anouk ihr verkündet hatte, dass man aus den Halmen Mehl machen konnte, nahm sich Skadi neben dem Erwerb des Wissens vor, in den nächsten Tagen etwas mit Kolbenmehl zu backen.
„Muss man die Halme nur zu Mehl machen? Oder noch etwas anderes?“, fuhr sie mit ihrem Schwall an Fragen fort. Nicht dass man die abkochen musste, da sie sonst giftig waren. Skadi wollte schließlich keine Dorfbewohner oder gar ihre Familie vergiften.
Wenige Sekunden später ging ihre Gesprächsthema über Pancakes und der Plan mit dem Kolbenmehl etwas zu backen nahm Gestalt an. Anouk würde Rohrkolben-Pancakes bekommen. Bevor sich dieser Gedanke jedoch in ihren Kopf manifestierte, fing der blonde Engel vor dem Mädchen an zu lachen. Erneut irritierte dies Skadi. Es war zwar schön zu sehen, dass Anouk sich in ihrer Gegenwart so wohl fühlte, dass sie oft lachte oder lächelte, doch Skadi verstand hin und wieder nicht, weshalb die Frau dies tat. Gerade als sie nachfragen wollte, warum ihr Engel denn gelacht hatte, stimmte dieser ihrem Plan mit den Pancakes zu, weswegen Skadi ihre Frage vergas und ihren Rohlkolben-Pancakes-Plan schmiedete.
„Dann mach ich dir gleich welche, wenn wir zuhause sind!“, bestimmte die Nygard und freute sich riesig darauf ihre Freundin bekochen zu dürfen. Denn nichts anderes war Anouk für sie. Auch wenn sie sich vier Jahre lang nicht gesehen hatten, sie sich nicht mal richtig an die Blondine von früher erinnerte und sie gerade einmal wenige Minuten miteinander gesprochen hatten. Sie mochte Anouk und sie verstanden sich richtig gut. Zudem hatten sie beide eine Verbundenheit zur Natur. Die Ältere von den Beiden durch ihr Wissen über Pflanzen und die Jüngere durch ihr Interesse und zusätzlich noch zu ihrer Liebe zu Tieren.
„Wir könnten ein Pancake opfern. Wenn einer übrig bleibt. Dem Bärengott Matunus!“, schlug Skadi vor und hatte auch da eine Idee, was sie genau machen konnten. Der Bär war das Krafttier für Lebenskraft, Mut und Instinkt. Letzteres besaß Anouk reichlich, doch die Kraft zum Leben wurde ihr in den letzten Monaten durch den Winter entzogen. Wie bei einem Bären im Winterschlaf, hatte Anouk von ihren Fettspeicher gezerrt, bis so gut wie nicht übrig geblieben war. Zumindest sah sie so aus. Weshalb also nicht dem Bärengott Matunus einen Pancake opfern? Matanus – ihre Schwester, die nach diesem Gott benannt worden war – sollte die Tage aufwachen, also konnte sie ruhig zur Begrüßung ein Pancake kriegen und ein neues Gesicht kennenlernen. Zudem wie konnte man einem Bärengott besser etwas opfern als seinem Kindern das Essen zu geben?
Auch dieser Plan stand nun für Skadi fest. Zumindest wenn Anouk da mitmachen würde.
„Ich verspreche dir, dass dieses Opferritual damit endet, dass ein Kind des Bärengottes deine Gabe annehmen wird!“, schwor Skadi feierlich und hielt ihrer Freundin feierlich den kleinen Finger für einen Indianer- alias Pinky-Swear hin.
„Das Ritual würde dir durch den Bären Kraft geben. Und der Bär steht für eine Verbundenheit zu der Erde. Also würde das doch gut zu dir passen, oder?“, erklärte und fragte das Mädchen zum Ende hin.
Was Skadi allein durch das Angebot mit dem Essen für Anouk tat, war ihr gar nicht bewusst. Sie tat einfach das, was sie für richtig empfand. So wie sie erwartete, dass jeder ein bekanntes Gesicht behandelte, welches Hunger hatte. So wie sie eben auch in solch einer Situation behandelt werden wollte. Für das kleine Mädchen war ihr Verhalten etwas ganz normales. Etwas menschliches. Das jemand dies nicht so sah, war entweder traurig, da die Person wohl dies lange nicht mehr entgegen bekommen hatte. Oder es war beängstigend, wenn die Person ihre Menschlichkeit soweit abgelegt hatte, dass sie dieses Verhalten nicht mehr kannte. Anouk zählte definitiv in die erste Kategorie. Es war traurig, dass sie so lange normales menschliches Verhalten hatte missen müssen. Aber auch bewundernswert, dass sie trotz all den Jahren ohne sozialen Kontakt immer noch so menschlich war.
„Darüber musst du mir später noch mehr erzählen!“, forderte Skadi ein, als Anouk über ihren Glauben redete. Die Dunkelblonde fand jede Glaubensrichtung interessant. Doch nicht jede Religion verstand sie. Auch wenn sie alle akzeptierte. Nur vor Christen hatte sie etwas Angst. Denn diese nagelten einen Menschen ans Kreuz, ließen ihn dort sterben und beteten ihn dann an. Konnten sie nicht an ihn glauben, wenn er schmerzfrei und vor allem lebendig herumlief?
„Freya? Wenn du ein Mädchen bekommst, dann musst du sie unbedingt so nennen! Die Götter würden zudem auch immer über sie wachen, denn sie würden sich geehrt fühlen, wenn deine Tochter so heißt!“, gab Skadi zurück und freute sich darüber, dass Anouk mit diesem Namenswunsch ihre Götter ehrte.
Ihr Thema über die Götter und Götternamen ging weiter zu den christlichen Engeln. Das einzige was Skadi an diesem Glauben nicht schrecklich oder beängstigend fand. Sondern wunderschön.
„Ja, dann basteln wir uns zusammen gegenseitig Flügel.“, stimmte sie der Blondine zu und musste dann lachen: „Falls wir dann Hühner aussehen, gehen wir zu Onkel Daves Hühnerstahl und schauen, ob sie uns als ihre Familie sehen!“
Dann legte sie ihren Kopf schief, denn sie dachte über Anouks Worte nach, dass sie sie gerade rettete.
„Wie rette ich denn dich? Hattest du so Hunger, dass du fast deswegen umgekommen wärst?“, fragte sie und erinnerte sich daran, wie sie oft einmal vor dem Frühstück schon rausgerannt war und dann eben diese Mahlzeit verpasst hatte. Erst als ihr Magen anfing zu schmerzen vor Hunger, war sie nach Hause gelaufen und hatte etwas gegessen. Wie musste sich dann erst Anouk fühlen?
„Ich würde gerne wissen, was in der Zukunft passiert. So kann ich das Dorf beschützen, falls ich etwas schlechtes gesehen habe!“, erwiderte Skadi und wünschte sich dies tatsächlich. Sie wollte keinen aus dem Dorf verlieren. Nachdem sie das erste Mal angegriffen worden sind, war sie auf ihrer ersten Beerdigung gewesen. In den Jahren hatte sie sogar schon einige hinter sich. Die Welt war schließlich gefährlich. Entweder wurde man gebissen oder man starb durch andere Sachen. Allerdings war noch nie jemand gestorben, der bei Raven gewesen ist. Außer die Krankheit war unheilbar. Wie bei einer älteren Frau, die ein Tier in sich hatte. Zumindest wurde vermutet, dass sie einen Krebs hatte.
Dann antwortet Anouk ihr, dass sie keinen Sextraum mit Leif gehabt hatte. Schief grinste Skadi sie an: „Wieso nicht? Papa ist nicht hässlich und nicht dumm! Also laut den ganzen Liebesbüchern ein Traummann!“
Anschließend erzählte Skadi von dem Dorf und von Azra, ihrem Hagrid dem Wildhüter. Kurz lachte sie auf und klärte dann Anouk auf: „Er heißt eigentlich Azra, aber er ist ein Art Wildhüter. Er hat sogar einen Wolf. Irgendwann werde ich heiraten, aber erst wenn ich alt genug war. Meinen ersten Antrag hat er abgelehnt. Ich sei zu jung.“ – sie plusterte ihre Backen auf – „Dabei geht es beim heiraten doch nur darum, jemanden zu zeigen, wie lieb man ihn hat!“
Dann strahlte sie Anouk an: „Aber Raven hat ja gesagt. Er bringt mir viel über Heilpflanzen bei und schreibt mir Geschichten. Für ihn sind die Brennnesseln!“
Stolz zeigte sie dann Anouk ihre Hand, woran sie einen kleinen Ring trug. Den ‚Verlobungsring‘ von Raven. Seinen Ring trug er an einer Kette um den Hals.
Anschließend erklärte Skadi Anouk die Regeln des Dorfes. Was ihr bevorstand, an was sie sich halten musste und den ganzen anderen Kram. Wahrscheinlich hatte sie sogar einiges vergessen, doch das wichtigste hatte sie trotzdem der Blondine weitergegeben.
„Ja! Bürgen!“, rief Skadi fast schon aus. Sie verwechselte immer die Worte ‚bügeln‘ und ‚bürgen‘. Ersteres kannte sie nur aus Geschichten, die sie gelesen hatte. Auch stellte sie sich es komisch vor mehr oder weniger mit einem heißen Gegenstand auf Kleidung zu gehen. Verbrannte diese nicht dabei?
„Ich bürge auf jeden Fall für dich und ich bin mir sicher Papa macht das auch. Also musst du dir keine Sorgen machen!“, meinte Skadi und versuchte damit der Blondine etwas die Sorge mit den Bürgen abzunehmen. Skadi würde nämlich niemals zulassen, dass Anouk wieder gehen musste. Sie hatte sie doch erst gerade wiedergetroffen und kennengelernt!
Dann gab Anouk ihr die übrig gebliebenen Knollen und Wurzeln zurück, welche Skadi schnell in ihre Tasche steckte. Anschließend stand sie auf, denn ihr persönlicher Engel wollte endlich zum Dorf. Mit einem Lächeln auf den Lippen hielt Skadi ihr die Hand hin. Anouk war geschwächt und ihre Hand würde ihr eventuell noch mehr Mut geben, sich wieder einer Gruppe anzuschließen.
„Ich kann dich bis kurz vor das Tor begleiten, aber dann muss ich mich wieder reinschleichen. Sonst kriege ich Ärger. Aber wenn du kurz wartest und dann zum Tor gehst, bin ich schnell bei dir und sage den Wachen, dass ich dich kenne!“, meinte Skadi und hoffte das ihr Plan aufgehen würde.
Was ihr allerdings nicht bewusst war, war, dass sie sicherlich so wirken würde, als wüsste sie, dass Anouk kommt. Dadurch würde die Wache schnell die richtigen beziehungsweise in Skadis Fall die falschen Fragen stellen und ihr Vater würde von ihrem kleinen Ausflug erfahren. Doch jeder kindliche Plan hatte seine Lücken. Und selbst wenn sie erwischt werden würde, Anouk könnte bei ihnen wohnen und somit würde sie sich bei Hausarrest nicht langeweilen.
„Gehen wir? Papa wird sich sicher rieeesiiig freuen dich zu sehen!“, lächelte das Mädchen ihre Begleitung an, ehe sie dann Richtung Balar lief.

@Anouk Kruger


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